Projektstudie



















Ing. BAldur Schweiger

ÜBERREGIONALE BETRACHTUNG 

Der „Lückenschluss“ der Bahnstrecke Mals-Landeck entspringt einer alten Konzeption einer  völkerverbindenden Alpenüberquerung. 

Unter unterschiedlichen politischen Verhältnissen wurde der Bau begonnen und immer wieder  abgebrochen. 

Meist waren strategische Interessen für die Aktivitäten mit entscheidend, immer aber war der  Auf- und Abstieg über den 1502 m hohen Reschenpass ein befürchtetes Hindernis das skurrilste Planungen der damaligen Ingenieure hervorrief. 

Leider wurden inzwischen in den nördlichen und südlichen Tälern Bebauungen ohne Rücksicht  auf eine Bahntrassenführung vorgenommen. Die Bahnplanungen wurden beiseitegelegt und den Straßenbauten wurde Vorrang eingeräumt. 

Inzwischen ersticken die Täler im immer stärker werdenden Verkehr und nunmehr erhalten die  Überlegungen eines Bahnbaues über den Reschen neuen Auftrieb. Der völkerverbindende  Aspekt wird durch den Bahnbau wieder aufgegriffen und neu befruchtet. 

Der „Lückenschluss“ Landeck-Mals ist ein Teilstück einer westlichen Alpenüberquerung von STUTTGART-AUGSBURG-MÜNCHEN 

über den Fernpaß – Reschenpaß – Bormiotunnel – Tirano 

nach 

MAILAND–TURIN–GENUA 

mit Querachse über Meran und Bozen 

nach 

VERONA–VENEZIA-MODENA-ROM 

Die Normalspurgleise (1435 m/m) liegen bis Lermoos und Tirano. Die Kosten für den Bau der  Reststrecken liegen im vergleichsweise, vertretbaren Rahmen. Die Überlegungen müssten  dringend in ein neues „globales Alpenverkehrsplandenken“ aufgenommen werden.

REGIONALE BETRACHTUNG 

In die regionalen Überlegungen muss das Zusammenwachsen und die Entlastung der inneralpinen Täler Vinschgau – Oberes Gericht – Engadin und Samnaun aufgenommen werden.

Ein Quertunnel von Mals nach Scoul würde einen 20 km Tunnel mit zusätzlichem Aufstieg vom Inn (1170 Hm) nach Scoul-Bahnhof (1286 Hm) = 116 Hm erforderlich machen.

Die schönen Regionalbahnen in Graubünden sind in ihrer Konzeption „Tourismusbahnen“ – Schmalspur 1000 m/m mit engen Kurvenradien und relativ geringen Geschwindigkeiten. Eine Fahrt von Mals nach Zürich würde ein zweimaliges Umsteigen (Scoul – Vereinatunnel-Langquart) und ca. 3,5 Stunden in Anspruch nehmen. Mit dem Konzept einer „modernen Normalspurbahn“ (1435 m/m) sind sie nicht vergleichbar.

Mit dem Bau der Reschenbahn als moderne Normalspurbahn steht eine moderne technische und wirtschaftliche Lösung gegenüber.

Die nunmehr vorgenommene Trassenplanung durch das Oberinntal stellt eine machbare wirtschaftliche Lösung dar, in gleicherweise die Südtrasse durch den Oberen Vinschgau westlich des Reschensees.

Durch die Reschenbahn sind alle Orte mit Bahnhöfen oder Haltestellen mit Park + Ride Flächen angeschlossen, sodass auch in die Arbeit mit der Bahn gefahren werden kann. Das Engadin kann an der südlichen Selleskehrschleife angeschlossen werden. Die Tourismusorte und Schigebiete werden ebenfalls angeschlossen. Das Samnaun erhält am Bahnof Kajetansbrücke ebenfalls einen Anschluss.

Die befürchteten Auf- und Abstiege über den Reschenpaß werden mit Kehrtunnels überwunden. Neue Baumethoden machen mit modernen Vortriebsmaschinen wirtschaftliche Lösungen möglich. Das Ausbruchsmaterial wird für die offenen Strecken verwendet. Kreuzungsstrecken (2 Gleise) sind in den offenen grenznahen „Tenderwiesen“ und entlang des „Eggeleweg“ zwischen Tösens und Pfunds möglich.

Projektstudie für den Bau der Reschenbahn von Landeck nach Mals 

Die Studie erhebt nicht den Anspruch auf Vollständigkeit. Es ist eine überschlägige Ermittlung anhand von Kompass-Landkarten 1: 50 000 und 1: 25 000 – sowie örtlichen Befahrungen.

Folgende Projektannahmen wurden zugrunde gelegt:

1.    Normalspurbahn 1435 m/m

2.    Höchstgeschwindigkeit 120 km/h

3.    max. Steigung/Gefälle 3 %

4.    geringster Kurvenradius 300 m

 

A)  Streckenbereich-NORDTIROL von Landeck bis Landesgrenze beim Reschenpass

 

Am Bahnhof in Landeck beginnt der Tunnel bei der Kegelbahn und führt unter dem Kasernengelände und hinter der Schlossgalerie bis unterhalb der Bundesstraße beim sog. „Pfötschle“- ca 2,7 km lang.

Alternativ könnte auf der Westbahnstrecke bei Perfuchs ein Tunnel unter dem Thial und wiederum bis Urgen geplant werden.

Nach dem Tunnel führt die Trasse über den Inn und dann dem Innufer entlang bis zum Tunnel beim sog. „Stapfen“ – (Tunnel zur Umfahrung des Rutschhanges ca. 1,5 km.) Anschließend Fließer Haltestelle beim Sägewerk mit Park and Ride-Anlage.

Weiter dem Radweg entlang hinter der Fischbrücke beim Runserau-Einlassbauwerk eine Galerie ca. 200 m und an der untersten Berme der Aushubdeponie entlang bis zum Schrofen vor dem Pontlatz Denkmal. Dieser wird im Tunnel umfahren – 0,5 km – und entlang der alten Straße immer nahe dem Inn entlang – im Bereich des Prutzer Campingplatzes taucht die Bahn in eine hochwassersichere Wanne ab und erreicht nach der Umfahrung des westlichen Ortsteiles von Prutz in einem ca. 0,6 km langen Tunnel den  Bahnhof Prutz-Kaunertal mit Park + Ride.

Alternativ könnte ein Tunnel unter dem gesamten westlichen Ortsteil von Prutz bis zu den Fischteichen (ca. 1200 m) geplant werden.

Die Strecke führt weiter entlang des Radweges und erfordert dort ca. 0,4 km Galerie – dann dem Inn entlang bis vor den Bauernhof am sog. „Gstals“. Dort Bahnhof Ried-Serfaus-Fiss-Ladis mit Park + Ride.

Anschließend ein ca 0,9 km langer Tunnel mit Unterfahrung der Straße Serfaus-Fiss-Ladis und weiter am Inn entlang – dann Überquerung des Inn auf die ehemals vorgesehene 2. Fahrspurtrasse der Schnellstraße bis zur Haltestelle Tösens mit Park + Ride. Anschließend Überquerung des Inn und weiter parallel zur Schnellstraße bis nach Birkach. Vor der Schöntobelmure wird die Schnellstraße unterfahren und der Inn überquert. Folgend wird die Bahn entlang dem Radweg zur Haltestelle Pfunds mit Park + Ride geführt. Weiters 1 km Tunnel unter Pfunds-Süd und dem Radurschelbach. Dann entlang dem Hangweg bis zum Bahnhof Kajetansbrücke-Samnaun mit Park + Ride. (Kostenbeteiligung Schweiz).

Von hier beginnt die Steigungstrasse von ca. 3 % – weiter über den „Bogenschießparcour“ vorbei bis zum Finstermünz-Tunnel ca. 1 km – unterhalb von Hochfinstermünz – dort Überbrückung des sog. „Kirchlibaches“ und immer mit 3 % Steigung unterhalb der Straße bis zum labilen Hang „Klammli“ dort ein 1 km langer Tunnel. Weiter folgt die Überbrückung des Stillebaches unterhalb des Sperrforts und Einfahrt in den 6 km langen Kehrtunnel in den Sellesbergrücken.

In der Nähe der sog. „Pardei“ tritt die Trasse wieder ans Tageslicht und führt als offene Strecke mit ca. 2 % Steigung bis zum aufgeschütteten Bahnhof Nauders mit Park + Ride unterhalb der Talstation des Mutzkopfliftes.

Von dort führt ein Tunnel – 1 km Länge unter der Norbertshöhenstraße und am Fuß des Kleinmutzkopfes entlang – anschließend offen bis zur Haltestelle des Schigebietes Nauders (1400 Hm). Weiter eine offene Strecke entlang des rechten Hangfußes bis zur Staatsgrenze. (Um die neue Umspannstation muss eine Galerie oder Tunnel eventuell auch eine Höhenverlegung der Trasse erfolgen)

 

Gesamtlänge der Reschenbahn von Bahnhof Landeck bis zur Staatsgrenze ca. 50 km (incl. 6 km Kehrtunnel)

 

OFFENE STRECKEN                                  34 km

4 Inn-Brücken

4 km Innufer-Verbauungen

4 Bahnhöfe und Park + Ride

4 Haltestellen und Park + Ride

12 Bach-/ Nebenstraßen-Querungen

1 Schnellstraßenunterquerung

1 Tal-Überquerung

 

TUNNELBAUWERKE                                  16 km

Landeck-Pfötschle                                      2,7 km

Fließ-Stapfen                                               1,5 km

Fließ-Fischbrücke-Galerie                         0,2 km

Pontlatz                                                         0,5 km

Prutz                                                              0,6 km 

(Prutz                                                            1,2 km)

Prutz-Galerie                                                0,4 km 

Ried-Gstals                                                   0,9 km

Pfunds                                                           1,0 km

Finstermünz                                                 1,0 km

Klammliega                                                  1,0 km

Kehrtunnel Selles                                        6,0 km

Nauders Kleinmutzkopf                             1,0 km

 

Am Südwestbogen des Kehrtunnels „Sellesbergrücken“ in der Nähe der Auffahrtsstraße von Martina kann eine Abzweigung ins Engadin (Haltestelle) vorgesehen werden. Fallend mit Talquerung bis „Plattamala“ ist ein Anschluss an den Bahnhof Scoul möglich.

Alternativ könnte ein Anschluss an den Bahnhof Scuol – von tieferliegendem Abzweig – fallend mit Talquerung bis Martina hergestellt werden.

 

 

B)    Streckenbereich-SÜDTIROL von der Staatsgrenze beim Reschenpass bis Mals

 

Von der Staatsgrenze führt die Trasse entlang der sog. „Bichlwiesen“ offen mittels Hangeinschnitt bis zum Bahnhof Reschen incl. Park + Ride (alternativ) weiter durch 0,7 km „Partschinswiesentunnel“ bis zur Talstation der Schönebenbahn – dort Haltestelle Schöneben (Parkplätze vorhanden).

Folgend 0,6 km Tunnel (Gorfroan) dann offene Strecke entlang des westlichen Reschenseeufers bis „Ausserplanarond“ – dort ein ca. 1,2 km Tunnel unter den Abfahrtspisten und der Talstationen der Schöneben- / Haideralmbahn. Auf der bestehenden Parkfläche wird der Bahnhof St. Valentin mit Park + Ride aufgeschüttet.

Weiter entlang des westlichen Ufers des Haidersees 0,3 km Tunnel im Bereich des alten Kraftwerkes. Am Ende des Haidersees offene Strecke mit 3 % Gefälle bis Kote 1390 Hm dort Via Claudia und Etsch-Überquerung und Einbiegung in die obere Kehrstrecke – 5 km auf der Malserhaide. Diese Kehrstrecke enthält 2 rund 0,7 km lange überschüttete Tunnel.

Die offene Streckenführung könnte alternativ als Gallerie oder als überschüttete Tunnel ausgeführt werden.

Beim Bahnhof Burgeis-Wattles mit Park + Ride auf Kote 1260 Hm beginnt die 2. Kehrstrecke zunächst offen (eventuell zugeschüttet) dann ca. 2,5 km Tunnel unter der „Spitzigen Lun“ weiter offen und ca. 1km Tunnel nahe Schleis bis zum bestehenden Bahnhof Mals auf Kote 1000 Hm.

 

Gesamtstrecke der Reschenbahn von der Staatsgrenze bis zum Bahnhof Mals ca. 28 km

 

OFFENE STRECKEN                                  20 km

3 Bahnhöfe und Park + Ride

1 Haltestelle

1 Etsch Überquerung

4 Strassenunter bzw. Überquerungen

 

TUNNELBAUWERKE                                  8 km

Partschin                                                       0,7 km

Gorfroan                                                       0,6 km

Valentin                                                        1,2 km

Kraftwerk                                                      0,3 km

Ulten                                                             0,7 km

Boanerturm                                                  0,7 km

Spitzige Lun                                                 2,5 km

Schleis                                                           1,0 km

 


    alternativstrecke für bahnhof Graun-Langtaufers

    Falls Graun-Langtaufers ebenfalls einen Bahnanschluss erhalten soll, bringt dies erhebliche Mehrkosten.

    1. Tunnel „Reschen Ort“ ca. 1 km
    2. Tunnel „Aussere Mühl“ ca. 2 km
    3. Tunnel „Ob der Wand“ ca. 2 km

    Der Platz für einen Bahnhof ist an der „Ausseren Mühl“ in Graun sehr beengt und es muss die Langtaufererstraße und den Langtaufererbach überqueren und die Reschenstraße 3mal überkreuzt werden.

    Fazit: 5 km Tunnelmehrlänge

               1 km Streckenmehrlänge

                Beengte und teure Bahnhofgestaltung in Graun

                3 Straßenkreuzungen

    Mehrkosten ca. 150 – 200 Millionen Euro

     

     

    Eine Alternative dazu wäre eine „Seetrasse“ (erheblicher Einfluss auf das Landschaftsbild). Überquerung der Bundesstraße bei Arlund dann aufgeständerte Seetrasse neben dem Radweg – weiter auf dem vorhandenen Damm rechts des Kirchturmes (mit Flutöffnungen) weiter folgend reichlich Platz für einen Bahnhof Graun-Langtaufers und weiter Tunnel „ob der Wand“

     Mehrkosten 80 – 100 Millionen Euro

     

    Grins, 24. April 2021


    Die Idee des "Kehr-Tunnel"

    .

    Die herausragende Überlegung unserer Planungen über den Reschenpass (1502 Hm) ist der Aufstieg als Kehrtunnel im Sellesbergrücken und im Abstieg mittels zwei Kehrtunnels in der Malserheide. Die Malserheidentunnel werden weitgehend in offener, und nach dem Bau in wieder zugeschütteter Bauweise ausgeführt. Dadurch werden landwirtschaftliche Flächen nur in geringem Maße beansprucht. Bei allen drei Kehrtunnelplanungen sind die heute vorgeschriebenen Fluchttunnel relativ kurz und kostengünstig herzustellen.

    Nach unseren Recherchen wird von der schweizerischen Seite für den Bau eines Tunnels unter dem „Sesvenna-Bergstock“ von Mals nach Schuls in Südtirol mit Nachdruck akquiriert. Das würde einen Tunnel von 21 km bis zum „Innniveau“ im Engadin und weiter einen ca. 4 km langen Aufstiegstunnel bis zum „Gleisniveau“ der Rätischen Bahn beim Bahnhof Schuls erfordern.  Auch die zusätzlichen langen Flucht-tunnel mit den erforderlichen Belüftungseinrichtungen würden hohe Kosten verursachen.  Das Umsteigen in Mals von Normal- auf Schmalspurbahn (1435 auf 1000 m/m) und im Langquart wiederum auf Normal-spurbahn, also zweimaliges Umsteigen wäre dann für eine Fahrt z. B. nach Zürich erforderlich.

    In manchen Südtiroler Kreisen herrscht die irrige Meinung vor, dass „eine Bahn über den Reschenpass nicht machbar“ sei. Unsere Kehrtunnelplanungen widerlegen diese Ansichten und stellen auch eine vertretbare wirtschaftliche Lösung dar.

    Mit der Bahn über den Reschenpass als Normalspurbahn wird ein Lückenschluss der Nord-Südachse erreicht, ohne Umschweife – Umladen – Umsteigen auf eine Schmalspurbahn.

    Durch die Weiterführung durch das Val Müstär, den Ortlertunnel nach Bormio und nach Tirano und den zukünftigen Fernpasstunnel wäre eine zusätzliche Bahntrasse Deutschland – Nordeuropa nach Italien -Lombardei erreicht.

    Die Schweizer Bestrebungen eines Tunnels von Mals nach Schuls lassen außer Acht, dass der nordeuropäische Zubringer- Autoverkehr zu den Tourismusgebieten ins Engadin auch weiterhin das Tiroler Oberland unzumutbar belasten. Auch wird das Schweizer Samnaun nicht berücksichtigt, welches bei einer Reschenbahn an der Kajetansbrücke einen Bahnhof erhalten würde. Mit der Reschenbahn bekäme das Engadin auch einen Anschluss an die österreichische Westbahn.

    Ein Bahnanschluss der Rätischen Bahn durch einen Kopfbahnhof im Bereich der südwestlichen Kurve des Selleskehrtunnels mit offener Strecke nach Schuls ist technisch ohne Probleme möglich und vergleichs-weise zum Sesvennatunnel mit erheblich geringeren Kosten machbar; auch ein Bahnanschluss in Normalspur an gleicher Kehre und Weiterführung bis Schuls wäre möglich.

    Eine alsbaldige Aufnahme der Reschenbahn in das Verkehrskonzept Tirols halten wir auch deshalb für erforderlich, weil die bereits dicht verbauten Bereiche der Dörfer die Trassenführungen erschweren, und die derzeit noch möglichen Flächen für Bahnstrecken, Bahnhöfe mit P + R Anlagen, dringend in die Bauleitplanungen der Dörfer aufgenommen werden müssten.

     

    Grins, 2021-01-28